Wissenswertes
Umgang mit Nebenwirkungen
während der Therapie
Beschwerden früh erkennen und gemeinsam reagieren
Moderne hämatologische und onkologische Therapien sind heute häufig besser verträglich als früher. Dennoch können während der Behandlung Nebenwirkungen auftreten und unterschiedlich ausfallen. Viele Beschwerden lassen sich heute gut behandeln oder lindern – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig erkannt. Nebenwirkungen hängen von den verwendeten Medikamenten ab. Die folgenden Hinweise geben eine erste Orientierung und ersetzen nicht Ihren persönlichen Therapieplan.
Wann sollten Sie uns anrufen?
Die Notfallnummern finden Sie in Ihrem Therapiepass. Bitte kontaktieren Sie uns, insbesondere bei:
- Fieber ab 38,0 °C oder Schüttelfrost
- deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands
- neuer Atemnot, anhaltendem Husten oder Brustschmerzen
- starkem oder anhaltendem Durchfall beziehungsweise Erbrechen
- ungewöhnlichen Blutungen
- ausgeprägtem Hautausschlag oder Blasenbildung
- Verwirrtheit, Sprachstörungen, Gangunsicherheit oder anderen neuen neurologischen Beschwerden
Bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, starken Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen, nicht stillbaren Blutungen oder einer schweren allergischen Reaktion wählen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112.
Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie
Übelkeit und Erbrechen
Nehmen Sie die vorbeugend verordneten Medikamente wie besprochen ein. Bei Übelkeit können Sie das von uns verordnete Metoclopramid (MCP) 10 mg bei Bedarf bis zu dreimal täglich einnehmen. Kleine Mahlzeiten, kühle Speisen und regelmäßiges Trinken sind häufig besser verträglich.
Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie wiederholt erbrechen, Medikamente nicht bei sich behalten oder nicht ausreichend trinken können.
Durchfall
Trinken Sie ausreichend Wasser, Tee oder Brühe. Essen Sie zunächst leichte Kost und meiden Sie Alkohol, Kaffee sowie sehr fettige oder scharfe Speisen.
Wenn Ihnen Loperamid verordnet wurde, nehmen Sie zwei Kapseln nach dem ersten flüssigen Stuhlgang und anschließend eine Kapsel nach jedem weiteren flüssigen Stuhlgang, maximal acht Kapseln innerhalb von 24 Stunden.
Bitte melden Sie sich bei sehr häufigem Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Blut im Stuhl, Kreislaufproblemen oder fehlender Besserung innerhalb eines Tages.
Verstopfung
Achten Sie auf ausreichendes Trinken und regelmäßige Bewegung. Ballaststoffreiche Ernährung kann helfen, ist bei Darmverengungen oder bestimmten Erkrankungen jedoch nicht immer geeignet. Wenn länger als zwei bis drei Tage kein Stuhlgang möglich ist oder stärkere Bauchschmerzen auftreten, kontaktieren Sie uns.
Entzündungen im Mund
Benutzen Sie eine weiche Zahnbürste und spülen Sie den Mund regelmäßig mit Wasser oder einer milden Mundspüllösung. Vermeiden Sie Alkohol, Rauchen sowie scharfe, saure oder sehr heiße Speisen.
Bei schmerzhaften Stellen, weißlichen Belägen oder Problemen beim Essen und Trinken melden Sie sich bitte frühzeitig.
Müdigkeit und Erschöpfung
Planen Sie Pausen ein, achten Sie aber möglichst auch auf leichte tägliche Bewegung. Eine zunehmende oder plötzlich ausgeprägte Erschöpfung kann unter anderem durch Blutarmut, Flüssigkeitsmangel oder eine Infektion verursacht werden und sollte mit uns besprochen werden.
Kribbeln oder Taubheitsgefühl
Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen an Händen und Füßen können auf eine Schädigung der Nerven hinweisen. Schützen Sie Hände und Füße vor Verletzungen und extremen Temperaturen. Informieren Sie uns möglichst frühzeitig, insbesondere wenn feinmotorische Tätigkeiten oder das Gehen beeinträchtigt sind.
Fieber und Infektionszeichen
Messen Sie bei Unwohlsein oder Schüttelfrost sofort Ihre Temperatur. Fieber ab 38,0 °C kann unter Chemotherapie ein Notfall sein. Rufen Sie die Nummer in Ihrem Therapiepass an und nehmen Sie nicht zunächst eigenständig fiebersenkende Medikamente ein.
Nebenwirkungen bei einer Immuntherapie
Immuntherapien können Entzündungen in nahezu jedem Organ auslösen. Beschwerden können auch erst Wochen oder Monate nach der letzten Behandlung auftreten.
Hautausschlag und Juckreiz
Bei einem leichten, örtlich begrenzten Ausschlag können Sie die von uns verordnete kortisonhaltige Creme ein- bis zweimal täglich für eine Woche dünn auftragen. Zusätzlich helfen rückfettende, unparfümierte Pflegeprodukte.
Bei einer raschen Ausbreitung, Schmerzen, Blasenbildung, Schleimhautbeteiligung oder Fieber kontaktieren Sie uns sofort.
Durchfall und Bauchschmerzen
Bereits eine deutliche Zunahme der Stuhlhäufigkeit kann Zeichen einer Darmentzündung sein. Trinken Sie ausreichend und dokumentieren Sie die Anzahl der Stuhlgänge. Bitte nehmen Sie Loperamid bei möglicher immunvermittelter Darmentzündung nicht ohne Rücksprache ein.
Kontaktieren Sie uns bei wiederholtem Durchfall, Bauchschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl sowie nächtlichen Beschwerden.
Husten und Atemnot
Neu auftretender trockener Husten oder Atemnot können Zeichen einer Lungenentzündung sein. Bitte melden Sie sich damit noch am selben Tag. Bei schwerer Atemnot wählen Sie 112.
Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen
Eine ungewöhnlich starke Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Kreislaufprobleme können durch eine hormonelle Störung verursacht werden. Bitte kontaktieren Sie uns zeitnah.
Muskeln, Nerven und Herz
Neue Muskelschwäche, ausgeprägte Muskelschmerzen, Sehstörungen, Schluckbeschwerden, Herzrasen oder Brustschmerzen müssen sofort abgeklärt werden.
Gelbfärbung oder dunkler Urin
Eine Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin oder Schmerzen im rechten Oberbauch können auf eine Leberentzündung hinweisen. Bitte nehmen Sie umgehend Kontakt mit uns auf.
Nebenwirkungen bei Bispezifische Antikörper
Fieber und grippeähnliche Beschwerden
Fieber, Schüttelfrost, Muskelbeschwerden und Kreislaufprobleme können durch eine Infektion oder eine überschießende Immunreaktion, das sogenannte Zytokinfreisetzungssyndrom, verursacht werden.
Bei Fieber ab 38,0 °C kontaktieren Sie sofort die Notfallnummer in Ihrem Therapiepass. Behandeln Sie das Fieber nicht zunächst eigenständig mit Paracetamol oder Ibuprofen.
Neurologische Beschwerden
Achten Sie auf Verwirrtheit, Wortfindungs- oder Schreibstörungen, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Zittern, Gangunsicherheit oder Krampfanfälle. Bei solchen Beschwerden ist sofort eine ärztliche Abklärung erforderlich. Bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen wählen Sie 112.
Infektionen
Bispezifische Antikörper können die Infektionsabwehr deutlich schwächen. Melden Sie Fieber, Husten, Atemnot, Brennen beim Wasserlassen oder andere Infektionszeichen frühzeitig. Dies gilt auch, wenn die Beschwerden zunächst leicht erscheinen.
Müdigkeit und verminderte Blutwerte
Müdigkeit, Luftnot bei Belastung, ungewöhnliche blaue Flecken oder Blutungen können durch Veränderungen des Blutbildes verursacht werden. Bitte informieren Sie uns darüber.
Nebenwirkungen bei einer Oralen Krebstherapie
Orale Krebstherapien umfassen sehr unterschiedliche Medikamente. Beachten Sie deshalb vorrangig Ihren persönlichen Einnahme- und Therapieplan.
Übelkeit
Nehmen Sie das Medikament genau wie angegeben mit oder ohne Nahrung ein. Bei Übelkeit können Sie – sofern von uns verordnet – MCP 10 mg bei Bedarf bis zu dreimal täglich einnehmen.
Eine erbrochene Tablette darf in der Regel nicht erneut eingenommen werden. Fragen Sie im Zweifel bei uns nach.
Durchfall
Trinken Sie ausreichend. Wenn Ihnen Loperamid verordnet wurde, nehmen Sie zwei Kapseln nach dem ersten flüssigen Stuhlgang und danach eine Kapsel nach jedem weiteren flüssigen Stuhlgang, maximal acht Kapseln täglich.
Bei starkem Durchfall, Fieber, Blut im Stuhl, Kreislaufproblemen oder fehlender Besserung kontaktieren Sie uns.
Hautveränderungen
Verwenden Sie regelmäßig rückfettende, unparfümierte Cremes und einen ausreichenden Sonnenschutz. Bei schmerzhaftem Ausschlag, Blasenbildung oder starker Ausbreitung melden Sie sich bitte zeitnah.
Wunde Hände und Füße
Bei Rötung oder Druckempfindlichkeit der Handflächen und Fußsohlen helfen fetthaltige oder harnstoffhaltige Pflegecremes. Vermeiden Sie starke Wärme, Druck und längere Belastungen. Bei Schmerzen, Blasen oder Einschränkungen im Alltag kontaktieren Sie uns frühzeitig.
Bluthochdruck
Einige Medikamente können den Blutdruck erhöhen. Messen und dokumentieren Sie ihn entsprechend unserer Empfehlung. Bei wiederholt stark erhöhten Werten, starken Kopfschmerzen, Brustschmerzen oder Luftnot ist eine umgehende Abklärung erforderlich.
Einnahme und Wechselwirkungen
Setzen Sie die Behandlung nicht eigenständig ab und verändern Sie nicht die Dosis. Nehmen Sie eine vergessene Dosis nicht doppelt ein.
Neue Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate sollten Sie vorher mit uns oder Ihrer Apotheke abstimmen. Auch Grapefruit, Pomelo und andere Lebensmittel können bei einzelnen Medikamenten Wechselwirkungen verursachen.

